Klimaresilienter
Kartoffelanbau
Ein neues Kartoffel-Anbausystem, das Spezialkomposte verwendet und die Kartoffeldämme dauerhaft bedeckt hält – für mehr Wassereffizienz, gesündere Böden und stabile Erträge unter Klimaextremsituationen.
Aus dem Projekt
Bildnachweis: Jonathan Durlesser
Warum brauchen wir das?
Der Kartoffelanbau in Bayern und Deutschland insgesamt steht unter wachsendem Druck: Wetterextreme wie Spätfröste, Starkregen und anhaltende Trockenperioden häufen sich durch den Klimawandel und beeinflussen Erträge sowie Krankheits- und Schädlingsdruck negativ. Pathogene wie Rhizoctonia, Drahtwurm oder Stolbur werden zum existenziellen Risiko für immer mehr Betriebe. Gleichzeitig steigen die Qualitätsanforderungen, die Kosten für Pflanzgut, Dünger und Pflanzenschutz.
Das Ergebnis: Viele Landwirtinnen und Landwirte stellen den Kartoffelanbau in Frage. Dabei ist die Kartoffel eine der bedeutendsten Ackerkulturen weltweit – hochwertig in Nährstoffgehalt und Ertrag, auch auf Flächen, die für Getreide weniger geeignet sind.
Genau hier setzt das Projekt Solafit an. Es entwickelt ein integriertes, resilientes Anbausystem, das ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbindet – praxistauglich und übertragbar auf unterschiedliche Standorte in Bayern und darüber hinaus.
Die drei Kernmaßnahmen
Überwinternde Zwischenfrüchte werden im Herbst gesät, im Frühjahr gezielt zerkleinert und gemulcht. Diese organische Bodenbedeckung bleibt über den Pflanztermin hinaus erhalten und stabilisiert das Bodenklima, mindert Erosion und aktiviert das Bodenleben. Speziell entwickelte Kartoffellege-Werkzeuge halten den Mulch an der Oberfläche, ohne die Dammstruktur zu zerstören.
Organische Dünger werden direkt unter der Pflanzknolle in ca. 5–6 cm Tiefe eingebracht. Diese gezielte Platzierung fördert die Jugendentwicklung, erhöht die Nährstoffeffizienz und reduziert den Gesamtdüngerbedarf. Verschiedene Dünger werden erprobt, darunter Lebensmittelverarbeitungsrückstände, Schlachtnebenprodukte, Phosphorrecyclingprodukte (Struvit) und Neempresskuchen.
Speziell aufbereitete Komposte mit niedrigem C/N-Verhältnis und hoher mikrobieller Aktivität werden direkt in die Legefurche eingebracht. Sie schaffen ein aktives mikrobielles Milieu rund um die Knolle, das Pathogene wie Rhizoctonia solani verdrängt. Ergänzt wird das durch gezielte Beimpfung mit entomopathogenen Pilzen (Metarhizium brunneum) gegen Drahtwürmer und nützlichen Bodenbakterien zur Wurzelförderung.
Erwartete Ergebnisse
Weniger Erosion, mehr Wasserspeicherkapazität und aktiveres Bodenleben durch dauerhafte organische Bodenbedeckung.
Geringerer Befall mit bodenbürtigen Pathogenen wie Rhizoctonia durch Ausbringung von Komposten und biologischen Präparate mit natürlicher, Krankheits-unterdrückender Wirkung.
Auch unter Klimaextremen – Hitze, Trockenheit, Starkregenereignisse – sollen Ertrag und Qualität gesichert werden.
Praxisreife Geräte für Mulchpflege, Kompostausbringung und Unterfußdüngung – einsetzbar in Maschinenringen und Lohnunternehmen.
Feldtage, Fachveranstaltungen und digitale Formate verbreiten die Erkenntnisse in die Praxis – bundesweit und europäisch über EIP-Netzwerke.
Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und reduzierter Betriebsmitteleinsatz – die entwickelten Verfahren stärken die Zukunftsfähigkeit bayerischer Kartoffelbetriebe.
Projektzeitplan 2026 – 2028
Wer steckt dahinter?
Zum Download
Förderinformation
Ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 gefördertes Projekt im Freistaat Bayern.
Vorhabentitel: Klimaresilienter Kartoffelanbau (Solafit) · Förderprogramm: Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-Agri)
Birnensaft aus
Streuobst
Alte Birnensorten wirtschaftlich nutzbar machen – durch genossenschaftliche Ernte, Verarbeitung und Vermarktung von Birnensaft. Kulturlandschaft erhalten, Biodiversität stärken, neue Wertschöpfung für Landwirtschaft in der Region schaffen.
Aus dem Projekt
Bildnachweis: Timo Friesland. Close-up-Foto KI-generiert (ChatGPT).
Warum brauchen wir das?
Birnen hatten einst eine ähnlich große wirtschaftliche Bedeutung wie Äpfel – heute sind sie auf Platz 9 der beliebtesten Früchte abgerutscht. Dabei sind Birnbäume außerordentlich langlebig (bis zu 200 Jahre), ökologisch wertvoll und durch ihre tiefe Pfahlwurzel deutlich hitze- und trockenheitsresistenter als Apfelbäume. Genau das macht sie zu einem wichtigen Baustein klimaresilienter Kulturlandschaften.
Das Problem: Der Anbau und die Pflege von Streuobstbirnen lohnt sich wirtschaftlich kaum. Im Gegensatz zum Apfel gibt es für Birnen kaum geeignete Mostbirnensorten mit einheitlichem Erntezeitpunkt. Viele alte Koch- und Wirtschaftsbirnen – gerade die robusten Sorten – sind in Vergessenheit geraten oder vom Aussterben bedroht.
Das Projekt Alte Birne setzt hier an: durch genossenschaftliche Saftproduktion soll der Birnenanbau wieder wirtschaftlich werden – und damit ein starker Anreiz entstehen, alte Bestände zu pflegen, neue Birnenwiesen anzulegen und wertvolle Sorten zu erhalten.
Die vier Projektsäulen
Systematische Erfassung und pomologische Bestimmung noch vorhandener alter Koch- und Wirtschaftsbirnen in der Region – besonders im nördlichen Unterfranken / Rhön. Gezielte Suche nach robusten „Mutterbäumen" als Grundlage für neue, regional angepasste Unterlagen. Diese Sorten besitzen genau die Eigenschaften, die für wirtschaftliche Saftproduktion nötig sind: einheitliche Reife, ausreichende Festigkeit, gutes Aromaprofil.
Erprobung und Optimierung geeigneter Erntetechnik: Auffangschirme für schnell teigig werdende Tafelbirnen sowie mechanische Aufsammelsysteme für harte Mostsorten. Anpassung der Technik an die spezifischen Anforderungen verschiedener Birnensorten – mit dem Ziel einer wirtschaftlichen, maschinellen Ernte im Betrieb.
Innovativer Ansatz zur Neuanlage von Birnenbeständen: Statt teurem Verschulen wird Saatgut oder Jungmaterial direkt am finalen Standort ausgepflanzt. Das ermöglicht die Ausbildung der birnentypischen Pfahlwurzel, senkt Etablierungskosten erheblich und reduziert den Bewässerungsaufwand. Ein Ansatz, der im Streuobstbau völlig neu ist.
Aufbau einer Erzeugergemeinschaft, die Ernte, Verarbeitung in einer Kelterei und gemeinsame Vermarktung des Birnensafts bündelt. Einzelbetriebe produzieren die Früchte – der Rest läuft gemeinschaftlich. Das schafft Synergieeffekte, teilt Investitionskosten und macht das Vorhaben für jeden einzelnen Betrieb rentabel, ohne dass umfassendes Spezialwissen im Haus sein muss.
Erwartete Ergebnisse
Gefährdete Koch- und Wirtschaftsbirnen werden durch wirtschaftliche Nutzung erhalten – "Schutz durch Nutzung" als nachhaltiges Prinzip.
Landwirtinnen und Landwirte in der Rhön erschließen durch Birnensaft ein neues, regionales Premiumprodukt mit stabiler Nachfrage.
Neuanpflanzungen von Birnenstreuobst werten Landschaftsbild und Biodiversität auf – ein Beitrag zum Streuobstpakt Bayern.
Die trockenheitstolerante Birne stärkt Streuobstwiesen für den Klimawandel – ein übertragbares Modell für ganz Bayern.
Am Projektende steht eine funktionierende Genossenschaft mit gemeinsamer Ernte, Kelterei-Kooperation und Vermarktungsstruktur.
Regional angepasste Birnenunterlagen aus Kartierungsmutterbäumen – ein potenziell bedeutsamer Beitrag für die genetische Vielfalt.
Projektzeitplan 2026 – 2028
Wer steckt dahinter?
Zum Download
Förderinformation
Ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 gefördertes Projekt im Freistaat Bayern.
Vorhabentitel: Birnensaft aus Streuobst (Alte Birne) · Förderprogramm: Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-Agri)
Baumsaat –
Direktsaat heimischer Gehölze
Ein Verfahren zur Direktsaat heimischer Obstgehölze mithilfe von Fruchttrester – für klimaresiliente, artenreiche Strukturen zu minimalen Kosten.
Aus dem Projekt
Bildnachweis: Timo Friesland
Warum brauchen wir das?
Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Kulturlandschaften Mitteleuropas – und sind gleichzeitig massiv unter Druck. In Bayern sind seit den 1960er-Jahren rund 70 % dieser Flächen verloren gegangen. Intensivierung, wirtschaftlicher Druck und die wachsende Unrentabilität extensiver Bewirtschaftungsformen haben dazu beigetragen, dass wertvolle Gehölzstrukturen in der Agrarlandschaft schwinden.
Gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels immer spürbarer: Bodenerosion nimmt zu, Biodiversität schwindet, und die Resilienz von Agrarökosystemen ist gefährdet. Wissenschaft und Praxis rücken deshalb die Rolle von Obstbäumen und Gehölzstrukturen wieder stärker in den Fokus – als Schlüssel für eine nachhaltige Landbewirtschaftung im Klimawandel.
Konventionelle Bepflanzungsmethoden sind jedoch teuer und aufwändig. Das Projekt Baumsaat setzt hier an: Es entwickelt ein vollständig neues Verfahren zur Direktsaat heimischer Gehölze aus Fruchttrester – kostengünstig, skalierbar und ökologisch wertvoll.
Zwei Entwicklungslinien
Trester – ein lokal verfügbares Nebenprodukt der Obstverarbeitung – wird in hochwertiges Verbund-Saatgut umgewandelt. Es vereint Samen und organische Substanz und bietet optimale Keimbedingungen sowie natürliche Nährstoffe für Jungpflanzen. Durch Fermentierung, Anreicherung mit Biostimulanzien (Mykorrhiza-Pilze, Algenextrakte, stickstofffixierende Bakterien), Trocknung und Granulierung wird das Saatgut für Lagerung, Transport und Ausbringung optimiert.
Abhängig von Standortbedingungen werden bestehende Maschinen geprüft, angepasst und weiterentwickelt. Erprobt werden Nass-Sprühverfahren (Hydroseeding) für erosionsgefährdete Steillagen, Bodenbearbeitung und Aussaat mit dem Güllegrubber auf ebenen Flächen sowie Gülle-Injektor- und Scheibenschlitztechniken für präzisere Einzelreihenanlagen. Mehrjährige Versuchsreihen auf Pilotflächen in ganz Bayern validieren die Methoden unter realen Bedingungen.
Ein umfassendes Monitoring-System erfasst Keimraten, Wachstumsprozesse und Standortbedingungen kontinuierlich. Die Daten ermöglichen gezielte Anpassungen von Saatgutrezeptur und Aussaatparametern sowie die Entwicklung von Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss und invasive Pflanzenarten. So entsteht ein datengetriebenes Optimierungssystem für die langfristige Baumetablierung.
Erwartete Ergebnisse
Direkte Aussaat autochthonen Saatguts und natürliche Selektion fördern tiefwurzelnde, genetisch vielfältige Bestände mit hoher Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Wetterextremen.
Gesäte Obstbaumflächen mit hoher genetischer Varianz bieten diverse Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Vögel und weitere Wildtiere – ein messbarer Beitrag zur Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.
Erste Schätzungen gehen von 10–20 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr aus. Tiefreichende Wurzelsysteme und entstehende Humusschichten binden Kohlenstoff langfristig im Boden.
Kein teures Baumschulmaterial, keine aufwändigen Pflanzmaßnahmen: Das Baumsaatverfahren ermöglicht großflächige, ökologisch wertvolle Gehölzstrukturen zu einem Bruchteil der konventionellen Kosten.
Die Integration von Baumstrukturen in Weidesysteme (Silvopastorale Systeme) reduziert nachweislich Stressniveaus von Nutztieren durch Schatten und Witterungsschutz – kostengünstig realisierbar mit dem Baumsaatverfahren.
Zusätzliche Ertragsquellen durch Wildobst, Holz und CO₂-Kompensationsprogramme. Das Verfahren ist anschlussfähig an den Bayerischen Streuobstpakt und stärkt ländliche Regionen nachhaltig.
Projektzeitplan 2026 – 2029
Wer steckt dahinter?
Zum Download
Förderinformation
Ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 gefördertes Projekt im Freistaat Bayern.
Vorhabentitel: Baumsaatverfahren · Förderprogramm: Europäische Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) · Die Europäische Union beteiligt sich mit bis zu 50 % an der Zuwendung.